1972 wurde Klais aus seinem ruhigen Dasein plötzlich herausgerissen und zu einer “Archäologischen Wetterstation” gestempelt. Bei Ausgrabungen wurde ein 1200 Jahre altes Gründungskloster der Benidiktiner zu Tage gefördert, das Experten als einmalig in der Welt bezeichneten. Zusätzlich legte man noch die schon bekannte RÖMERSTRASSE frei VERONA/AUGSBURG deren Radspuren noch heute im Römerweg zu besichtigen sind.
Aus dieser Klosterzeit hat Klais auch seinen Namen bezogen, denn Kloster hieß damals Clausura und daraus wurde dann KLAIS. Diese “Kloster-Scharnitz-Zeit” dauerte jedoch nur 2 Jahrzehnte, dann fiel der Komplex einem geschichtlich erwiesenen Großbrand zum Opfer und Klais verfiel zu einer Einöde. Erst 1912 erwachte Klais zu neuem Leben durch den Bau der neuen Bahnlinie GARMISCH-MITTENWALD-INNSBRUCK. Erwähnenswert ist vielleicht, daß eine vorgeschlagene Trassenführung nahe bei Krün von dortigen Bauern mit der Begründung abgelehnt wurde, sie lassen sich ihre Felder und die Arbeit als Flößer nicht wegnehmen. Durch die Bahnlinie wurde dem Wirtschaftsleben und Fremdenverkehr Tür und Tor geöffnet. Bis dahin bestand der “Ort Klais” nur aus der Post und Tavernenstation (Gasthof Post) der inzwischen zur Postkartenberühmtheit gelangten Kapelle, dem Bauernhaus und dem abseitsgelegenen Forsthaus.
Mit der Eisenbahn setzte ein reger Holzhandel ein und der Ort wurde zum Umschlagplatz der gesamten Holzwirtschaft von Hinterriß bis Scharnitz. Ein zusätzliches Sägewerk sicherte für damalige Verhältnisse dem ganzen Hinterland Arbeitsplätze.
Zögernd kamen die ersten “Sommerfrischler” , darunter als erster Gast der Zeitungsverleger Knorr-Hirth der “Münchner neuesten Nachrichten”. Noch war man zu sehr mit dem Holzhandel beschäftigt, um sich auf diesen neuen Erwerbszweig konzentrieren zu können. Erst ab 1930 entstanden die ersten Privathäuser mit Pensionen, die sich locker um den Gasthof Post gruppierten. Die Entwicklung ging rasch aufwärts, der Ort wuchs in großzügiger Bauweise zu seinem heutigen Bild und aus den Sommerfrischlern wurden Kurgäste. Steigende Übernachtungszahlen bestätigen einige Superlative, die Klais zu bieten hat.
Es ist die höchste IC-Station Deutschlands (933m) mit der Verbindung MÜNCHEN – INNSBRUCK. Seine ganzjährig nebelfreie Lage und seine Schneesicherheit sind weithin bekannt. Nicht zuletzt ist KLAIS ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für Wanderer und Bergsteiger des SOIERN- und WETTERSTEINGEBIRGES.
Für den Kurgast steht inzwischen eine bunte Palette an Abwechslungen bereit. Große und kleine Wanderungen, Radfahren, Tennis, Reiten, Schwimmen bis zum Sportschießen für Gäste im Schützenhaus, wo sich auch das gesellschaftliche Leben – Lichtbild, Tanz usw. – zum großen Teil abspielt.
Auch im Winter gehören Eisplatz, Langlaufloipen und ein Skilift “Hirzeneck” zu den ständigen Einrichtungen, die Dank der erwähnten Schneesicherheit immer betriebsbereit sind.
Durch eine aufgelockerte Bauweise hat Klais äußerlich gesehen eigentlich keinen Dorfcharakter. Doch trotz des verhältnismäßig schnellen Wachstums ist die Bevölkerung von Klais zu einer eigenen Dorfgemeinschaft zusammengewachsen, die durch alle Schichten geht. Einheimisch oder zugezogen. Diese Zusammengehörigkeit ist wesentlicher Charakterzug, den man als Gast auch verspürt, aber genauso überrascht nimmt man zur Kenntnis, daß die freundliche Aufgeschlossenheit gegenüber Gästen keine Routine ist.
Dies kommt daher, daß Klais vielleicht stärker als andere Orte von jeher schon (auch als Kloster) dem Reisenden und später dem Erholungssuchenden Schutz und Herberge bot.
Franz Schropp
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